Öffnen und gemeinsame Schritte im digitalen Bauen gehen

Zum Kundenforum «Digitales Bauen 2019» lud Bühler+Scherler ins Cubic, dem neuen Innovationszentrum der Bühler Group. Die Transformation der Bauwirtschaft ins digitale Zeitalter treibt offensichtlich viele um: Rund hundert Fachleute und Investoren folgten der Einladung von B+S.

Einblick ins Forum "Digitales Bauen" 2019

Einblick ins Forum "Digitales Bauen" 2019

Einblick ins Forum "Digitales Bauen" 2019

Einblick ins Forum "Digitales Bauen" 2019

Neue Technologien ändern in Rekordzeit die Art und Weise, wie Baufachleute in der Entwurfs- und Ausführungsphase zusammenarbeiten. Sequenzielle und manuelle Prozesse, die noch vor zehn Jah-ren Usus waren, werden zusehends abgelöst von parallel und digital. Rund hundert Fachfrauen und -männer liessen sich am 24. Oktober 2019 anlässlich des zweiten B+S-Forums «Digitales Bauen 2019» über die Ist-Situation in Planung, Realisierung, Betrieb, Sanierung oder Rückbau informieren. Die Refe-renten zeigten gleichzeitig auch Tendenzen auf, wo in der Baubranche die Reise der digitalen Prozes-se und Lösungen hinführen könnte. Dass sich das omnipräsente BIM (Building Information Modeling) längst vom nice-to-have zum must-have entwickelt hat, betonten gleich mehrere Referenten.

Ein Schmelztiegel innovativer Entwicklungen
Vom Konzept bis zur Umsetzung: Smarte Softwarelösungen sind im Bauwesen nicht mehr wegzudenken. Sie sind Voraussetzung für effiziente Projekte. Sie erleichtern die Planungs- und Ausführungsarbeit, ermöglichen Kosteneinsparungen und sind schnell und unkompliziert implentierbar. Thomas Bischofberger, Geschäftsführer von Bühler+Scherler, betonte in seiner Begrüssung denn auch die Dringlichkeit, sich auf innovative Softwarelösungen einzulassen, damit man nicht in der digitalen Welle untergeht, sondern auf ihr in die Zukunft surft. Wie digitales Bauen in der Realität aussehen kann, wurde den Forum-Teilnehmern direkt am Veranstaltungsort aufgezeigt, dem neuen Innovationscampus Cubic der Bühler Group. Johannes Wick, Leiter Grains & Food bei der Bühler Group, erläuterte im Auditorium des kubischen Neubaus die Unternehmensstruktur von Bühler. «Unser neuer Campus ist ein Schmelztiegel kollaborativer, nachhaltiger Innovationsentwicklung», fasste er die Philosophie von Cubic zusammen.

Offene Raumlandschaft und drei Betonkerne

In die planerische Entstehungsgeschichte und die architektonischen Finessen von Cubic weihten Carlos Martinez und Raffaele Falivena die Anwesenden ein. Das Rheintaler Architekturbüro zeichnete bereits 2008 für die Innenarchitektur des Customer Centers am Hauptsitz von Bühler verantwortlich. «Bei Cubic war mitunter die Eingliederung des neuen Campus in die bestehende Gebäudestruktur eine Herausforderung», betonte Carlos Martinez. «Statische Gegebenheiten der Industriebauten mussten ebenso berücksichtigt werden, wie bestehende Arbeitsabläufe, die nicht durch den Neubau negativ beeinflusst werden sollten.» Um der gewünschten Flexibilität des zweigeschossigen Stahlskelettbaus gerecht zu werden, konzentrieren sich tragende Elemente, Treppen, Aufzüge und Technik auf nur drei Betonkerne. Um diese fixen Bestandteile herum ordnet sich ringförmig auf zwei Geschossen eine offene Raumlandschaft, die Platz für bis zu 300 Mitarbeiter bietet. Umfunktionierte Seecontainer, Lounge artige Möbel und flexibel nutzbare Arbeitsplätze bilden einen hochmodernen Ort des kollaborativen Forschens und Entwickelns. Hinter der industriell anmutenden Atmosphäre versteckt sich eine innovative Haustechnik sowie eine smarte Gebäudeautomation von B+S. Eine eigens für Cubic ausgetüftelte Konstruktion ist das tragende Deckentrapezblech. Raffaele Falivena erläuterte die raumakustischen Funktionen dieser Neuheit, welche das gesamte Heiz- und Kühlsystems des Gebäudes beherbergt. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit geniessen bei Cubic einen hohen Stellenwert. So funktionieren die Toilettenspülungen mit Regenwasser und an den Fassaden ist SageGlass verwendet worden. Dieses elektronisch tönbare Glas schützt bei starker Sonneneinstrahlung vor Blendung sowie Hitze und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Mit agilen Schritten über Grenzen hinweg gehen
Professor Thomas Utz, Leiter Institut für Innovation, Design und Engineering an der FHS St. Gallen, führte den Baufachleuten mit eindrücklichen Zahlen und Beispielen vor Augen, dass die Schweizer Bauwirtschaft in Sachen BIM noch in den Kinderschuhen steckt. «Will man erfolgreich bleiben, führt kein Weg daran vorbei, offen für neue Prozesse zu sein und etablierte Methoden zu überdenken. Optimieren alleine genügt nicht mehr, wir müssen mit agilen Schritten weiterdenken und -gehen», betonte Utz, der vor 15 Jahren seine Architektur-Bachelorarbeit als einziger mittels CAD erstellte und von seinen Professoren dafür abgestraft wurde.

Parallelsessions zur Digitalisierung im Bau und Industrie
Darin, dass die Digitalisierung in der Baubranche zu fundamentalen Veränderungen der Prozesse entlang der ganzen Wertschöpfungskette führt, waren sich auch die Referenten der beiden Parallelsessions einig. Patrik Müller (Project Director Engineering Backbone), Hans-Ueli Frischknecht (Senior Project Manager Sales B+S) sowie Emir Hodzic (Head of Electrical Engineering B+S) gingen anhand eines reellen Projektes direkt vor Ort im Application Center auf die Digitalisierung in der Industrie ein. Vertieft wurde dabei mitunter das Thema «Digital Twin». Die zweite Parallelsession beleuchtete den Mehrwert von BIM im Bauplanungswesen sowie in der Gebäudeautomation. Dazu sprachen Nora Allmendinger (Fachbereichsleiterin IT & BIM Instaplan AG), Oliver Werren (Leitung Elektroplanung B+S) und Patrick Fürer (Leitung Gebäudeautomation B+S).

Im Anschluss an den offiziellen Programmteil tauschten sich die Baufachleute und Investoren bei einem Apéro an der Kaffeebar angeregt über die an diesem Nachmittag neugewonnenen Impulse aus. Fast hundert Prozent derjenigen, die bei der Smartphone-Auswertung von «Mentimeter» mitmachten, gaben an, dass sich der Besuch des Forums durchwegs gelohnt hat und dass sie bei «Digitales Bauen 2020» wieder mit von der Partie sind. So lautete eine Rückmeldung: «Sehr toller, informativer Anlass mit vielen positiven Inputs für die Zukunft. Chancen unbedingt zu nutzen und Risiken richtig einschätzen, ist unabdingbar. Vielen Dank allen Beteiligten.»